Trotz Regen und Stürzen auf dem Siegertreppchen

Mauermer Senioren-Radler zurück von der "Giant-Tour

von Thomas Kruchem

"Am schlimmsten", sagt Wolfgang Grob, "war der Feldberg, wo Nebel, strömender Regen und eine Temperatur von gerade vier Grad uns die Kraft aus Beinen und Kopf saugten." - Trotz aller Widrigkeiten jedoch: Grob (56), Rainer Sommerfeld (52) und Udo Hier (67) vom TV Mauer haben die "Giant-Tour" im Rahmen der Deutschland-Tour der Profis souverän bewältigt. Moralisch betreut von ihrem verletzten Mitstreiter Hans-Jürgen Ruhmann absolvierten die drei 600 Kilometer in sieben Tagen, ohne auch nur einmal die gefürchtete "Tom Dooley"-Melodie des Besenwagens zu hören. Im Gegenteil: Udo Hier durfte bei den Senioren 4 als überraschender Dritter das Siegertreppchen besteigen; Sommerfeld und Grob wurden 4. bzw. bei den Senioren 3.

Dem Erfolg vorausgegangen waren knallharte Renntage in einem überaus offensiv fahrenden Feld, allerlei Qualen und Malheur: Wolfgang Grob fuhr schon fünf Minuten vor dem Start in eine Schraube, woraufhin "Giant"-Mechaniker binnen 90 Sekunden Mantel und Schlauch seines Vorderrads austauschten. Auf dem Anstieg zum Kühtai (1.500 Höhenmeter) am zweiten Tag bekam derselbe Grob Oberschenkelkrämpfe und kollidierte auf der Abfahrt beinahe mit einem Pferd, das alle Absperrungen ignoriert hatte.

Damit nicht genug: Auf dem vierten Teilstück imitierte Udo Hier "Tour de France"-Fahrer Rasmussen: Er stürzte gleich dreimal. Die Rennleitung wollte den arg lädierten 67jährigen schon ins Krankenhaus verfrachten; der aber verlangte wutschnaubend Ersatz für sein kaputtes Rad, bekam ihn und rettete sich zehn Minuten vor dem Besenwagen ins Ziel.

Der hektische Wechsel zwischen Kampf auf dem Rad, Hotel, Massage und Bustransfer strapazierte auch "Benjamin" Sommerfeld, der wie durch ein Wunder von Defekten und Stürzen verschont blieb. "Ich habe versucht, Risiken zu vermeiden", sagt er und zeigt sich perplex angesichts des Ehrgeizes und der akribischen Vorbereitung vieler Konkurrenten um die Alterswertung.

Höhepunkt der "Giant-Tour" war für die drei Mauermer das Zeitfahren von Ludwigshafen nach Weinheim am Montag. "Von Zehntausenden wurden wir angefeuert wie die Profis", berichtet Wolfgang Grob, dem - sagt er - die Anteilnahme des heimischen Publikums Tränen in die Augen trieb.

Dass Grob auf der Schlussetappe nach Bonn schließlich noch in einen Massensturz bei 50 km/h geriet, dass er noch einmal verbissen Löcher zufahren musste, um die Platzierung zu halten - all die Plackerei versank in einem goldenen Nebel, als die drei auf der Tribüne das Finisher-Trikot übergestreift bekamen und Udo Hier 40 Jahre nach seinen Erfolgen als Mittelstreckenläufer wieder einmal auf dem Siegertreppchen stand.


 

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